Mein Einsatz als Nottagesmutter


Ein Bericht aus dem echten Leben unserer Tagesmutter Sandra Bangert


Bei der Überlegung den Einsatz der Nottagesmutter zu übernehmen war mir durchaus bewusst, dass es nicht planbar ist, wann und wie mein erster Einsatz sein wird und er wurde auch ganz anders wie ich mir dies vorgestellte habe.

Das Jugendamt meldete sich telefonisch mit der Frage, ob ich einen Jungen (7 Jahre) betreuen kann. Seine Familie muss mit der schlimmen Krankheit des Vaters leben und bei dem nächsten Krankenhausaufenthalt möchte die Mutter so gerne ihren Mann begleiten. Das hieß für mich, ich betreue einen Jungen, dessen Eigenschaften und Persönlichkeit mir komplett unbekannt sind für eine Woche. Von Montags bis Freitag inklusive Übernachtung.

Mit so einer umfangreichen Anfrage, hatte ich nie gerechnet. Da ich mich dem Jugendamt damals als Notfalltagesmutter zur Verfügung gestellt hatte und so ein Fall absolut legitim ist, sagte ich gerne zu. Damit wir nicht ganz so fremd sind und der Krankenhausaufenthalt noch ein paar Tage Zeit hatte, bat ich die Mutter, mich mit ihrem Sohn einige Male besuchen zu kommen, damit wir uns ein bisschen kennen lernen können. Auch für meine Kinder ( 11 und 13 Jahre ) war es gut, wenn sie das Kind schon kennen, da auch sie mit ihm eine Woche zusammen leben werden.

Somit war ich, sowie auch meine Familie, auf den Jungen gut vorbereitet. Damit er sich gleich gut aufgehoben fühlt, hatte ich ihm sein Bett schon bezogen. Wir haben das Glück das er ein extra Zimmer bekommen kann damit er auch die Tür mal zu machen kann. Unser Kurzzeitsohn hatte einiges an Terminen. Auch ging er in die Schulbetreuung und musste jeden Tag von dort abgeholt werden. Ich finde es wichtig, dass sein Alltag so gut es geht weiter gelaufen ist und fuhr ihn zu seinen Hobbys. Es bedarf einer großen Logistik, Tageskinder, Kurzzeitnotkinder und die eigenen zu organisieren. Ich bin froh, dass meine Familie hinter mir steht und mich bei solchen Aufgaben hervorragend unterstützt.

Die Woche (26.11-30.11.2012) ging sehr schnell vorbei. Als das Notkind am Freitag abgeholt wurde merkte ich, wie schon eine gewisse Last der Verantwortung von mir abgefallen war. Es ist wirklich gut gelaufen und trotzdem war ich sehr angespannt und versuchte eine gute Verhältnis bzw. Stimmung aufzubauen und zu halten. Ich denke dies ist mir gelungen. Denn schon am kommenden Montag rief mich die Mutter wieder an, ob sie ihren Sohn am Freitag bis Sonntagabend bringen kann. Leider fühlte ich, wie mir die Kräfte schwinden und ich dies nicht leisten kann.

Am Donnerstag den 06.12.2012 wurde ich ebenfalls darüber informiert, dass es ein weiteres Notfallkind gibt. Eine Tagesmutter in Friedrichsdorf ist leider ausgefallen und die Nottagesmutter in dieser Region ist ebenfalls erkrankt. Da die Tagesmutter schon länger ausgefallen ist, braucht ein Mädchen 14 Monate ganz dringend Betreuung.

Von Montags bis Freitag 10-16 Uhr. Auch in diesem Fall absolut berechtigt. Selbstverständlich sagte ich zu. Des Weiteren kam noch eine Anfrage für ein Notfallkind dieser Tagesmutter. Jedoch konnten die Eltern die Betreuung innerhalb der Familie organisieren.

Für mich und meine Familie hieß dies, dass eine Noteingewöhnung am Wochenende erforderlich ist. Freitag, Samstag und Sonntag kam die Kleine um mich kennen zu lernen. Am Montag geht es gleich los. Hierfür war ein großes Fingerspitzengefühl gefragt. Die Eltern und das Mädchen müssen sich wohl fühlen. Die nötige Zeit zum „ankommen“ und „kennen lernen“ mussten zusammengefasst werden. Dies hieß für meine Familie wieder Rücksicht zu nehmen. Damit sich das Mädchen wohl fühlte und in Ruhe vertrauen fassen kann, war es wichtig wieder eine gute Stimmung aufzubauen und sich nicht unter Druck zu setzten. Morgen ist ihr dritter Tag an dem sie alleine kommt und wenn ich sie so beobachte habe ich ein gutes Gefühl, dass es ihr gut geht.

„ Du bist nicht meine Mama!“ Keine Voraussetzung und Situation in der Familienpflege gleicht der anderen. Für die Notmutter der Familienfeuerwehr von GANZ bedeutet das, dass sie in ihrer Planung und Umsetzung stets variieren muss, denn jeder Einsatz zeigt neue Herausforderungen. Dabei sind Kommunikation und Kooperation wesentliche Aspekte ihrer Arbeit in den unterschiedlichen Familien und finden auf dem Hintergrund eigener Wert-und Normvorstellungen statt. (Auszug aus einem Schulungsprogramm Junghans)

Wo liegen hier die jeweiligen Grenzen und mögliche Handlungsspielräume? Bei jedem neuen Einsatz der Familienfeuerwehr ist diese Frage von unseren Mitarbeiterinnen jeweils neu zu analysieren und zu beantworten.

Das macht den Unterschied - zu den rein haushaltssichernden Leistungen, die aus Sicht der Krankenkassen geleistet werden müssen- aus.